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Startseite > Review > Ghost in the Machine (2. Dezember 2011)
Review
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Ghost in the Machine Robert Kirchhoff

Slowakei  

Jeder Geist wird irgendwann einmal freigesetzt; entweder durch Reiben an der Lampe oder durch ein Re-enactment der Situation, in der er einst gefangen genommen wurde. Ghost in the Machine macht letzteres und gibt dabei einen nicht nur historischen sondern auch instruktiven Einblick in die slovakische Filmgeschichte. Die Tatsache, dass der Dokumentarfilm gerade jetzt realisiert wurde, scheint einen Generationenübergang zu einer jüngeren Generation zu markieren. Einige der Pioniere, die das nationale Kino geprägt haben, sind bereits lange verstorben, wie Karel Plicka, der bereits 1987 verstarb und 1946 Mitbegründer der FAMU Filmschule in Prag war. Plicka´s Filme tendieren zu einem poetischen Realismus. Insbesondere Zem spieva (Die Erde singt) von 1933, werden von dem Filmtheoretiker Pavel Branko als Vertreter der Slowakischen Schule geschätzt.

Der Regisseur Robert Kirchhoff nimmt auf diese Tradition sowohl durch seine Auswahl der Kameramänner als auch durch die Zitate von Repräsentanten, die zu dieser Gruppe gezählt werden wie Bazin, Kracauer, Bresson, Zapatini und Renoir. Um einen Eindruck von dem Arbeitsprozess zu bekommen, der während der Dreharbeiten stattgefunden haben mag, geht Kirchhoff mit den Kameramännern zu deren Lieblingsdrehorten. Zwei Generationen treffen sich durch die Kameratechnik - kontrastreiche schwarz-weiß 16mm Aufnahme trifft auf das flache, pixelige Farbbild. Der poetische Realismus und die ihm nahe stehende ökonomische Unsicherheit wird an die nächste Generation weitergegeben, die ihr Leben durch Werbefilme bestreitet und zur gleichen Zeit auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen ist, die sich durch die digitale Technik ergeben haben.

Die Begegnung deckt nicht nur eine Kontinuität in dem theoretischen und methodischen Zugang zwischen der analogen und digitalen Generation auf, sondern auch einen fast vergessenen europaweiten intellektuellen Austausch. Igor Luther arbeitete 1970 in dem Film Eden a Potom (L´eden et après) als Kameramann an der Seite von Alain Robbe-Grillet, und Tibor Biath wirkte an dem Film Boxer a smrt (The Boxer and the Death) von Peter Solan mit. Nicht nur imitierte Kamerabewegungen, sondern auch die Musik der damaligen Filme evozieren eine Suche nach existierenden Erinnerungen, die der Ort konserviert haben mag. Am Ende findet der Film eine schöne Metapher für die slovakischen Regisseure: Steinschichten, die von Archäologen aus einem Fluss geborgen wurden werden als jene Filmemacher adressiert. Da sind sie nun alle friedlich miteinander vereint: nicht nur in einer Holzbox, in der sie sicher aufbewahrt sind, sondern auch in einem Digitalbild mit ihren heutigen Kollegen.

Von Johannes Bennke

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